Auszeichnung als Helferin in der Not


Der stellvertretende Bürgermeister Michael Scheffler übergab im Beisein von Carmen Kowski, Elke Herbeling, Anna Müller, Patricia da Cruz Santos, Christiane Müller und Charlotte Kroll (v.l.) den Fanny-van-Hees-Preis an Schwester M. Monika Grötz. Foto: Stadt Iserlohn

Kürzlich überreichte der stellvertretende Bürgermeister der Stadt Iserlohn, Michael Scheffler, den Fanny-van-Hees-Preis an die Franziskanerin Schwester M. Monika Grötz. Der Fanny-van-Hees-Preis ist ein Preis der Gleichstellungsstelle der Stadt Iserlohn, der in Abstimmung mit der Iserlohner-Frauen AG seit 2015 an Frauen in Iserlohn verliehen wird, die außergewöhnliche Leistungen vollbracht haben oder mutig neue Wege gegangen sind. Schwester M. Monika Grötz ist die dritte Preisträgerin. Michael Scheffler würdigte sie in seiner Laudatio als stille Heldin des Alltags, als Kämpferin für ihre Mitmenschen und Begleiterin für Menschen in schwierigen Lebenssituationen und schilderte ihren beeindruckenden Lebensweg. „Ohne Sie wäre das Leben in Iserlohn kälter und ärmer. Oder, anders gesagt, durch Ihr ehrenamtliches Engagement wird unsere Gesellschaft reicher“, sagte Michael Scheffler.

Die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Patricia da Cruz Santos sprach ebenfalls ehrende Worte an die Preisträgerin. Weitere Gratulanten waren unter anderen Anna Müller, Carmen Kowski und Christiane Müller vom Vorstand der Iserlohner Frauen-Arbeitsgemeinschaft sowie Radiomoderatorin Charlotte Kroll, die bereits 2019 mit der Preisträgerin ein Radiointerview über ihren Lebensweg geführt hatte.

Schwester M. Monika Grötz, geboren 1937 in Niederschlesien kann auf ein bewegtes Leben zurückblicken. Bereits im jungen Alter erfuhr sie Nöte und Sorgen, als sie und ihre Familie während des Zweiten Weltkriegs aus der Heimat vertrieben wurden und flüchteten. Nach dem Krieg konnte sie in ihrer neuen Heimat im Kreis Aschendorf eine Lehre als Modistin / Putzmacherin abschließen und fand anschließend Anstellung in einem Textilgeschäft. Im Jahr 1962 ist sie, für ihre Familie überraschend, in den Orden der Franziskanerinnen eingetreten und war dann im Mutterhaus in Salzkotten tätig. Sie entschied sich für eine Ausbildung in der häuslichen Krankenpflege, um ihrer Berufung als Helferin nachzugehen.

Im Jahr 1970 kam sie dann nach Iserlohn und war in der gynäkologischen Abteilung des Elisabeth Hospitals in der Krankenpflege tätig. Es folgte eine Weiterbildung zur Gemeindeschwester mit einigen Zwischenstationen in den umliegenden Orten. Bis zum heutigen Tag geht Schwester Monika ihrer Berufung nach. Obwohl sie längst ihren Ruhestand genießen könnte, ist sie seit mittlerweile mehr als zwanzig Jahren als Seelsorgerin tätig und kümmert sich um die Bewohnerinnen und Bewohner, aber auch um die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Pankratius Altenheimes in Iserlohn.

In ihrer Arbeit schenkt sie den Menschen ein offenes Ohr, Trost und Kraft. In den Gesprächen, die sie mit häufig schwer kranken Menschen führt, geht es um Krankheit, Leiden, Sterben, Tod. Sie steht den Menschen in dieser schwierigen Zeit ihres Lebens bei, entsprechend dem Leitspruch der Franziskanerinnen: Für die Nöte der Zeit da sein. Insbesondere während der Corona-Krise wurde das Engagement von Schwester M. Monika Grötz geschätzt. Auch in den Hochphasen der Pandemie war sie für die Nöte und Sorgen ihrer Mitmenschen da.

Aktuell bewegen Schwester Monika die Diskussionen um die Rolle der Frau in der Kirche, die dank der Initiative „Maria 2.0.“ angestoßen wurden. Es ist ihr wichtig zu betonen, dass Kirche von den Frauen lebt, die sich in Ehrenamt, Seelsorge oder Arbeit mit Kindern engagieren und mehr Anerkennung und Möglichkeiten innerhalb der Kirche verdienen. „Es muss sich viel bewegen!“, so Schwester M. Monika.

Sie sollte für ihre herausragende Tätigkeit bereits im März 2020 während der Feierlichkeit zum Internationalen Frauentag im Varnhagenhaus in Iserlohn ausgezeichnet werden. Die Preisverleihung sollte unter dem Motto „Heldinnen ins Rampenlicht“ laufen, musste aber wegen der Ausbreitung des Corona-Virus kurzfristig abgesagt werden. Sie erfolgte nun unter Einhaltung der geltenden Hygieneverordnungen im kleinen Kreis. „Das Motto „Heldinnen ins Rampenlicht“ ist jedoch inmitten der Pandemie aktueller denn je. Schwester M. Monika steht hier stellvertretend für all die engagierten Frauen, die durch ihre wichtige Sorgearbeit eine unverzichtbare Stütze unserer Gesellschaft sind“, meinte die Gleichstellungsbeauftragte Patricia da Cruz Santos. Immer noch werde es als Selbstverständlichkeit erachtet, dass Frauen sich um andere Menschen kümmerten. Das führe dazu, dass überwiegend Frauen oft unter prekären Arbeitsbedingungen, erhöhter körperlicher und seelischer Belastung, bei niedrigen Löhnen oder gar unbezahlt arbeiteten. Politik sowie Arbeitgeber und Arbeitgeberinnen müssten dafür Sorge tragen, dass sich an dieser Situation etwas ändere, so die Gleichstellungsbeauftragte.

Text: Stadt Iserlohn

18-08-2021