Grüße und Dank aus Caransebes


Schwester Mariana Mutiu und ihre Mitschwestern in Caransebes verteilten gespendete Weihnachtspäckchen an Bedürftige.

Schwester Mariana Mutiu schickt Grüße und einen großen Dank aus Caransebes / Rumänien und berichtet vom Verteilen der Weihnachtspäckchen an Bedürftige:

Wie auf der ganzen Welt ist auch das Coronavirus in Rumänien stark aktiv.

Wir befinden uns im 2. Lockdown. Die Schulen wurden wieder geschlossen, ebenso unser Kindergarten. Das Internat ist zum neuen Schuljahr nicht wieder in Betrieb genommen worden. Das alles hat Konsequenzen für die Kinder, die uns anvertraut sind. Sie erfahren keine sozialen Kontakte, kein Lernen, kein Frühstück, kein Mittagessen …usw. Sie können nicht einmal stundenweise in einer vertrauten Umgebung leben, spielen und lernen.

Am 02.12.2020 fuhr ein beladener LKW vom Hof des Mutterhauses in Salzkotten der schnell bei uns in Caransebeș ankam. Unter den vielen praktischen und guten Sachen waren mehr als 600 Weihnachtpäckchen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Welch` eine Freude!! Im Transport waren auch „Weihnachtspäckchentransporter“ d.h. ehemalige Wäschewagen, die voll beladen waren mit den Weihnachtspäckchen und „ab ging die Post“!

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In den vergangenen Wochen hatten wir uns immer wieder Gedanken gemacht, wie wir in dieser Corona-Pandemie die Weihnachtspäckchen verteilen könnten. Wir selbst wollten sie nicht zu den vielen Menschen bringen. So entschieden wir uns „Gehilfen“ zu organisieren. Wir telefonierten mit Priestern der katholischen und orthodoxen Gemeinden ringsum. Einige Priester, die früher schon mal Päckchen bekommen hatten, fragten in den Tagen auch selbst an. So kamen sie zu vereinbarten Zeiten, um die Päckchen, die wir nach Alter und Geschlecht vorbereitet hatten, abzuholen. Es klappte gut und die Freude war im Geben und Nehmen sehr groß.

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Mit dem Direktor und den Erzieherinnen unseres Kindergartens hatten wir uns auch etwas überlegt. Die Kinder mussten ja jeden Morgen über 1,5 – 2 Stunden digital unterrichtet werden. Das ist natürlich bei unseren Familien eine große Herausforderung, da das „Handy von Mama“ nicht immer zur Verfügung steht. Nach einem Artikel von uns Schwestern auf unserer Homepage des Mutterhauses haben wir um Spenden für digitale Hilfsmittel für den Kindergarten gebeten. Einige Spender sind diesem Aufruf gefolgt und haben gleich Geld überwiesen. Eine deutsche Schule wird in Kürze relativ neue Tablets, die in der Schule dem deutschen Standard nicht mehr entsprechen, dem Kindergarten zur Verfügung stellen. Dafür an dieser Stelle herzlichen Dank den Spendern!

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Im Kindergarten der Schwestern in Caransebes.

Zurück zu unserem Kindergarten. Die Mitarbeiterinnen bereiteten eine schöne kleine Weihnachtsfeier vor, mit Liedern und Gedichten, die digital übertragen wurden. Auch der Weihnachtsmann kam, wie üblich, und stellte die vielen dekorierten Weihnachtspäckchen vor. Im Anschluss an diese digitale Feier wurde mit den Familien ein Termin für die Überreichung der Weihnachtspäckchen organisiert. Auch unter den digitalen Möglichkeiten war es eine gelungene Weihnachtfeier für die Kinder.


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Erwähnenswert ist die Verteilung der Weihnachtspäckchen in einem Dorf nahe Reşiţa. Frau Elena Stefanescu, eine Religionslehrerin in Reşiţa, die auch Religionsunterricht in den Dörfern ringsum gibt, hatte um Päckchen gebeten.

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Große Freude bei den Kindern in den Dörfern.

Da der zuständige Pfarrer uns das sehr „ans Herz legte“, bekam sie die entsprechenden Päckchen. Sie schickte uns anschließend Fotos, auf denen auch die bittere Armut erkennbar ist, worüber wir sehr schockiert waren. Welch` eine Armut!!! Diese Umgebung werden wir bei den nächsten Verteilaktionen besonders in den Blick nehmen.

Eine frühere Erzieherin, die jetzt Grundschullehrerin ist, erhielt Päckchen, ebenso unser deutscher Kindergarten in unserer Nachbarschaft. Unsere Kinder, aus dem Stadtteil Balta, die in der Kantine ihr Mittagessen bekommen, wurden selbstverständlich auch bedacht.

So sagen wir allen „Herzlichen Dank“:

  • Michelstadt im Odenwald, dem Verein „Frieden und Gutes für Caransebeș“

  • Kindergärten & Grundschulen Sudhagen und Westenholz

  • Kindergarten St. Marien Salzkotten

  • Kindergarten St. Petrus Upsprunge

  • Gymnasium St. Kaspar Bad Driburg

  • Grundschule St. Walburga Neuenheerse

  • Nixdorf-Kindergarten Paderborn

Weiter ging ein großer Teil der Weihnachtspäckchen, extra für größere Kinder und Jugendliche, an zwei Kinderheime (es handelt sich um staatliche Heime der Kinder- und Jugendfürsorge), eins Nähe Recas und eins in Gavojdia. Eine Spenderin aus Wachtendonk hatte ihre Päckchen für diese Kinder gepackt. Verantwortliche Personen kontaktierten wir und bereiteten die Päckchen entsprechend vor. Gute Menschen brachten sie dorthin. Eine Erzieherin aus einem der beiden Heime kam selbst, um die Päckchen in Empfang zu nehmen. Auch hier war die Freude groß.

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Lebensmitel gingen an Senioren, Alte, Kranke und Menschen auf der Straße. 

Noch einer weiteren Gruppe von bedürftigen Menschen konnten wir eine Weihnachtsfreude machen. Es sind die alten und kranken Patienten, die von der Sozialstation betreut werden. Sie bekommen entweder Weihnachtspäckchen oder Lebensmitteltüten geschenkt. Es kommt auf die Bedürftigkeit an. Unser Leiter der Sozialstation stellte eine Liste zusammen und entsprechend haben wir die Sachen eingepackt. Besonders erwähnenswert ist hier eine Pfarrgruppe aus Darmstadt, die oft für ältere Menschen Weihnachtspäckchen (in diesem Jahr waren es nicht ganz so viele, wegen Corona) schickt, und das schon viele Jahre, zur Freude der Beschenkten. Die Mitarbeiter*innen der Sozialstation haben in diesen schwierigen Monaten durchgehend weiter gearbeitet. Für sie war es eine schöne Abwechslung, nicht pflegerisch unterwegs zu sein, sondern mit Geschenken. Das hilft dem Team, in der herausfordernden Aufgabe durchzuhalten.

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Übergabe am Fenster.


Wir Schwestern waren auch persönlich unterwegs an verschiedenen Tagen. Seit gut acht Monaten gibt es wegen der Pandemie keine Treffen der Frauen- und Seniorengruppen in der Pfarrei. Auch in Zukunft sind diese Treffen noch nicht in Sicht. Sicher, es sind immer wieder Telefonkontakte gehalten worden, aber sie ersetzen nicht den persönlichen Kontakt.

Durch eine große Lebensmittelspende, organisiert von der Feuerwehr am Niederrhein (Herr Holtschoppen), war es uns möglich, den Frauen und Senioren Lebensmitteltüten zu schenken. Wir stellten den Kontakt telefonisch her, sprachen Uhrzeiten ab, in denen wir die Lebensmitteltüten zu den Wohnungen brachten und die Übergabe geschah am Fenster. Das klappte hervorragend und manches Auge blieb nicht trocken über die große Freude. Sie brachten zum Ausdruck: „Wir sehen nur ganz wenige oder oft keinen Menschen in letzter Zeit, aber dass ihr an uns denkt ist ein Gottesgeschenk!“ Das trieb auch uns Tränen in die Augen und wir geben unseren Dank gern an alle Spender weiter, die uns diese Hilfen ermöglichten. Natürlich haben wir auch in den Tagen an unsere Freundinnen und Freunde von der Straße gedacht. Sie freuen sich immer sehr und sind so dankbar.

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Menschen auf der Straße.

Vielleicht habe ich, Dank der vielen Zuwendungen noch einiges vergessen, kleine Überraschungen am Rande, die nicht geplant waren. Spürbar war für uns Schwestern, dass die Menschen sich in diesem Jahr mehr gefreut haben als zuvor: einmal über das Geschenk, aber die größere Freude war wohl: „Wir sind nicht vergessen trotz dieser Pandemie!“ Möge es uns gelungen sein, dass die Menschen dieses Weihnachten „anders“ gespürt haben, nicht nur durch die Idylle des Kindes in der Krippe, sondern dass wir dem Staunen und der Freude im eigenen Herzen Raum gegeben haben; dass wir uns auf den Weg gemacht haben, um Gaben zu bringen, nein, - „ein Stück von uns selbst!“ – Mit ähnlichen Worten hat der hl. Franziskus es vor 800 Jahren beschrieben.

Herzlichen Dank, Multumesc

Schwester Mariana Mutiu

05-02-2021