MaZ: Rückblick auf den Abschied von Malawi


Abstand halten gilt in Deutschland - Abschied nehmen hieß es in Malawi für die Freiwilligen der Franziskanerinnen Salzkotten, Xenia Neisemeier, Markus Radlmayr und Paula Dischinger (v.l.). Foto: Michael Bodin / presse-fcjm

13 Missionarinnen und Missionare auf Zeit (MaZ) der Franziskanerinnen Salzkotten mussten im März ihr Auslandsjahr aufgrund der Coronavirus-Pandemie nach nur sieben Monaten abbrechen. Im Gespräch im Garten des Mutterhauses der Franziskanerinnen blicken drei von ihnen auf die verkürzte Einsatzzeit zurück.


Paula Dischiniger

Paula Dischinger mit Kindern in Malawi. Ihr Einsatzort war ein Mädcheninternat in Guilleme.



„Wir wollten das erst gar nicht wahrhaben und waren so traurig, als es hieß, ihr müsst sofort zurück nach Deutschland“, sagt Paula Dischinger (18) aus Regensburg. Zusammen mit Markus Radlmayr (18) aus Augsburg ist sie derzeit in Salzkotten. Beide absolvieren ein Praktikum im St.-Josefs-Krankenhaus, das sie spontan an das abgebrochene Auslandsjahr anschließen konnten. Wie Xenia Neisemeier (20), die in Mantinghausen lebt, waren sie zuletzt als Freiwillige in verschiedenen Projekten im ostafrikanischen Malawi. „In Malawi war Corona für uns ganz weit weg, denn zu der Zeit gab es dort keine Infektionen mit dem Virus“, berichtet Paula Dischinger. Daher waren auch alle drei sehr überrascht, als sie aufgrund einer dringenden Empfehlung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit ausreisen sollten. Dabei stand das MaZ-Team der Franziskanerinnen ständig mit ihnen in Kontakt und organisierte die schnelle Rückreise.


Markus Radlmayer
Markus Radlmayr (rechts), hier mit seinem Mitfreiwilligen Erik Schütte und Schwester Perpetual, war in einer Schule in Nambuma / Malawi tätig.

Das sich im Land etwas verändert hatte, sei eigentlich nur in der Hauptstadt Lilongwe zu spüren gewesen, sagt Markus Radlmayr: „Dort wurde uns ‚Corona‘ hinterhergerufen, weil das als eine Krankheit der Ausländer galt.“ Ganz anders war die Stimmung in den Hilfsprojekten. Die Kinder aus den Internaten und Schulen, für die sich die MaZ in den sieben Monaten ihres Einsatzes engagiert hatten, und auch die örtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wollten sie am liebsten gar nicht gehen lassen. „Manche sorgten sich und wollten mir Mehl mitgeben, weil sie in den Nachrichten die leeren Regale in den europäischen Supermärkten gesehen hatten“, erinnert sich Markus Radlmayr. Und Xenia Neisemeier meint: „Mir wurde einmal mehr unsere privilegierte Situation bewusst.“ So hätten sie in der beginnenden Krise unmittelbar nach Deutschland, in ein Land mit gesicherter medizinischer Versorgung, ausreisen können, während die Menschen in Malawi weiterhin mit einem unzureichenden Gesundheitssystem leben müssten.

Xenia Neisemeier
Xenia Neisemeier unterstützte den Unterricht an der Schule für Aidswaisen der Franziskanerinnen Salzkotten in Madisi / Malawi.


Inzwischen betrachten die drei ihre Zeit als Missionarin bzw. Missionar auf Zeit längst nicht mehr nur aus der Perspektive des Abbruchs, sondern vielmehr als eine besonders dichte Zeit intensiver Erfahrungen. Schade sei jedoch, dass sich manches Vorhaben nicht mehr ganz habe umsetzen lassen. „Wir hatten gerade eine Spende von 800 Zahnbürsten und 600 Tuben Zahnpasta organisiert und damit begonnen, den Kindern die Bedeutung von Zahnhygiene zu erklären“, berichtet Paula Dischinger. Das hätte sie noch gerne fortgesetzt.

Wenn sich die Gelegenheit bietet, würden sie alle gerne noch einmal ihre Projekte in Malawi besuchen. Für Paula Dischinger ist es das Mädcheninternat in Guilleme, für Markus Radlmayr eine Schule in Nambuma und für Xenia Neisemeier die Schule für Aidswaisen der Franziskanerinnen in Madisi.

Aktuell richten sich ihre Pläne allerdings zunächst auf Ausbildung und Studium. So haben sich alle drei zum Medizinertest in Österreich angemeldet, als die Frist dazu in Deutschland gerade abgelaufen war. Alternative Pläne gibt es auch und manchmal erinnern sie sich an die afrikanische Gelassenheit und denken: „Eigentlich wären wir jetzt ja noch in Malawi“.

02-06-2020

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