Christlichen Werten gerecht werden


„2. Franziskanisches Forum“ bei der Caritas Herten (v.l.): Dr. Matthias Burchardt, Matthias Müller (Geschäftsführer der Caritas Herten), Schwester M. Stefanie Müllenborn, Gabi Hülsmann (Sozialdienst im Kardinal von Galen Haus), Bernd Raspel (Fachbereich „Leben im Alter“ der Caritas Herten), Dr. Karl Ott (ehem. Ärztlicher Direktor, Gertrudis-Hospital) und Schwester M. Daniela Ließke.

„Wie unterscheidet sich ein Altenheim der Caritas von einem, das zu einem Hedgefonds gehört?“ Mit dieser Frage begann am Freitag, 26. Oktober, Dr. Matthias Burchardt seinen Vortrag zum Thema „Zwischen christlichem Anspruch und ökonomischer Wirklichkeit“ beim 2. Franziskanischen Forum in Herten. Dazu eingeladen hatte der Caritasverband Herten e.V.

Wie beim ersten Franziskanischen Forum im März 2017 kamen erneut zahlreiche Gäste in das CaritasForum an der Hospitalstraße zu einem Gedankenaustausch darüber, wie Kirche und Caritas sinn- und solidaritätsstiftend wirken können. Die in Herten lebenden Ordensschwestern der Franziskanerinnen Salzkotten, Schwester M. Daniela Ließke und Schwester M. Stefanie Müllenborn beteiligten sich ebenfalls an einer Gesprächsrunde auf dem Podium.

Zuvor hatte der Philosoph, Pädagoge und Publizist Dr. Matthias Burchardt vor einer Übernahme neoliberalen ökonomischen Denkens auch in christlichen Organisationen gewarnt. „Verluste drohen, wenn die ökonomische Realität den christlichen Anspruch vereinnahmt“, erklärte er. Wenn der christliche Anspruch nur noch ein Marketingsignal sei oder gar als Deckmantel für die Ausbeutung von Menschen diene, laufe etwas falsch. Eine christliche Organisation müsse sich fragen, was die Leitgröße sei, der Markt oder die Werteorientierung. Die Antwort ergebe sich zum einen aus dem Bild vom Menschen als Ebenbild Gottes und zum anderen aus der Verletzlichkeit des Menschen und damit der Fähigkeit zum Mitfühlen. „Caritas und Barmherzigkeit sind Antworten auf die Verletzlichkeit des Menschen“, erklärte Dr. Matthias Burchardt.

Franziskanisches Forum Saal
Hans-Josef Engberding, Vorsitzender der Hertener Caritas, begrüßte die zahlreichen Gäste beim 2. Franziskanischen Forum in Herten.

„Wir haben durch den Glauben an Gott die Möglichkeit, auch anders zu entscheiden als es der Markt oder die Politik vorgeben“, ergänzte Schwester M. Stefanie Müllenborn. Die Kirche habe da große Chancen, auch in die Gesellschaft hinein zu wirken. Daher sei es wichtig, dass kirchliche Einrichtungen den christlichen Werten gerecht werden, ergänzte Bernd Raspel vom Fachbereich „Leben im Alter“ beim Caritasverband Herten. „Wir sehen den Menschen nicht als Renditeobjekt, sondern als Menschen“, betonte er. In diesem Zusammenhang kritisierte er, wie auch der Referent Dr. Burchardt, die „Magie der Zahlen“. Durch Noten und Einstufungen lasse sich die Qualität zwischenmenschlicher Beziehungen in der Altenhilfe nicht ausdrücken.

Zum Abschluss warf die Kirchenkabarettistin Ulrike Böhmer als Erna Schabiewsky einen satirischen Blick auf Kirche und Caritas. Anspielungen auf immer größer werdenden Kirchenverbünde, die schlechte Erreichbarkeit eines Pfarrers - „wenn man bei der Kirche anruft läuft immer ein Band“ - gehörten dazu.

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