Bibliothek

Sissi auf der Suche nach Leseratten und Bücherwürmern.


Hallo, liebe Gotteskinder,

na, wie geht`s Euch? Was macht Ihr eigentlich in Eurer Freizeit? Spielen, lesen, Musik hören, Rad fahren, Fußball spielen?

Ich für meinen Teil schnuppere manchmal einfach nur so für mich herum, bin ganz wach und interessiert auf alles Neue – so wie es uns Mäusen nur mal eigen ist. Sehr gerne gehe ich in unsere schöne, helle Klosterbibliothek. Ich erfuhr, dass es dort viele „Leseratten“ und „Bücherwürmer“ geben sollte. Aber weder habe ich meine entfernten Verwandten, die Ratten, noch Würmer dort gefunden. Das muss wieder so ein Ausdruck der Menschen für ihre Artgenossen sein, die sich gern in Bücher vertiefen. Naja, jedenfalls gibt es in unserer Bibliothek allerhand Bücher. Solche, wo man ganz schlau wird: Lexika, dicke Bücher über die Wissenschaften, über Kirche und Theologie, auch ganz alte Bibeln und Gebetbücher – also, über Gott und die Welt. Aber auch Klassiker wie „Winnetou“, „Moby Dick“ und „Kleiner Drache, hab mich lieb“.

missionsmuseum
Neben der Bibliothek ist ein kleines "Museum" mit vielen Dingen aus den Missionsgebieten. Aber dazu später mehr.

Am allerliebsten habe ich die Bücher über die Heiligen. Ihr glaubt gar nicht, was es darunter für Typen gibt. Angefangen im frühen Christentum mit den Wüstenvätern und Wüstenmüttern, die gar keine Eltern waren, sondern als Einsiedler oder in klösterlichen Gemeinschaften in der Wüste lebten. Unter ihnen gab es diesen Säulensteher, der den ganzen Tag über Jahre und Jahrzehnte auf einer Säule stand und betete und fastete und predigte. Auf Dauer wird das eine anstrengende Akrobatik! Aber wenn es zur höheren Ehre Gottes gereicht…

Ja, und dann die Kirchenväter, wie z.B. der heilige Augustinus, der so lange auf der Suche nach Gott war und darum schrieb: „Unruhig ist unser Herz, bis es ruht, Gott, in dir.“ – Kennt Ihr das auch, dass Euer Herz erst so richtig Ruhe bekommt, bis Ihr endlich das Ersehnte und Gewünschte habt?

Naja, und dann im Mittelalter den hl. Franziskus und die hl. Klara von Assisi – das ist ja klar, dass ich für die schwärme, wenn ich hier bei den Franziskanerinnen und Klarissen lebe. Eine von den Letzteren ordnet auch die Bücher in der Bibliothek, was sie wirklich sehr gut macht.

Nun ja, zurück zu den Heiligen! Dann wäre da noch die hl. Teresa von Avila, die den lieben Gott auch zwischen den Kochtöpfen fand – zum Jubel und zur Rettung aller Hausfrauen! Und die sprach, als hätte sie auch eine Maus in der Küche entdeckt: „Nichts soll dich ängstigen, nichts soll dir bange machen – Gott bleibt doch derselbe und Er allein genügt.“ – Ach, wie beruhigend für so ein furchtsames Mäuseherzchen wie meines! Und dann dieser sympathische junge Priester Don Bosco, ein Italiener, der mit „seinen schweren Jungs“ Fußball spielte und der über so manchen Ärger hinweg sah mit seinem Lebensmotto: „Fröhlich sein, Gutes tun, die Spatzen pfeifen lassen!“

Der Spaßmacher unter den Heiligen ist gewiss der heilige Phillip Neri, der seine Freude an Gott gar nicht bändigen konnte. Ob er auch im Himmel unter so manchen ernsten Heiligen für Gelächter sorgt? Das könnte ich mir gut vorstellen, dass er einfach nur so aus Spaß die Flügel der Engel zusammen bindet, seinen Kollegen den Heiligenschein versteckt oder sich absichtlich beim „Halleluja“ im Ton vergreift. Ja, ja, die vollendeten Heiligen im Himmel, sie haben sicher gut lachen! Sie sind ja schon erlöst, während wir hier auf Erden uns noch mit manchen schwierigen Sachen herumschlagen. Aber wir hoffen, dass sie uns mit ihrem Gebet am Thron Gottes dadurch boxen. Nicht umsonst hat jeder von uns einen Namenspatron und die Heiligen haben ja selbst ein paar Patronate für bestimmte Menschen oder Gruppen, z.B. der hl. Florian, der vor Feuer und Brand schützen soll oder der hl. Antonius, den man anruft, wenn man seine Sachen verlegt hat und diese partout nicht finden kann, schusselig, wie man nun mal ist.

Missionsmuseum
Im "Missionsmuseum" gibt es viel zu entdecken.

Wenn ich nun keinen tierischen Artgenossen in der Bibliothek finde, trippele ich auch oft noch ins Missionsmuseum nebenan. Dort stehen lauter Geschenke aus exotischen Ländern wie Malawi, Indonesien, Indien, Malaysia, aber auch aus Rumänien und Polen.

Kutsche
Viele Schnitzarbeiten können in dem Museum bestaunt werden.

Alles haben die Schwestern auf ihren Reisen geschenkt bekommen. Und es ist so viel, dass die Provinzoberin alleine das nicht alles abstauben kann. So stehen in den Vitrinen sehr spannende Sachen. Wie gesagt, mich interessieren die tierischen Exemplare ganz besonders: Das Tigerbaby scheint mir doch eher eine Wildkatze zu sein, mit ihren grünen Augen und den gefährlichen Tatzen.

Piraniha
Hat der aber scharfe Zähne! Keine Angst, der ist schon sehr lange ein Trockenfisch.

Die Piranhas mit ihren scharfen Zähnen und das Krokodilbaby sehen auch gefährlich hungrig aus, sodass ich mich ihnen nur mit Abstand nähere. Dann wären da noch Ochs und Esel und Schafe in den Krippen aus verschiedenen Ländern. Ochsen, die einen Karren ziehen, ein Hund, Elefanten, Giraffen und eine riesige Tse-Tse-Fliege und vieles, vieles mehr.

Elefant
...und der hat lange Stoßzähne.

Wahrlich, ein ganzer Tierpark! – Wenn Ihr, liebe Kinder, mal bei den Schwestern seid, dann bittet sie doch, Euch mal ins Missionsmuseum zu führen.

Gerne bin ich aber auch bei meinen Freunden im Garten, jetzt wo die Natur wieder so langsam erwacht und das Grün und alle anderen Farben wiederkehren. Alle die bunten Vögel singen jetzt wieder ihre schönsten Lieder und begrüßen den Frühling. Ich muss doch mal gucken, ob Igel und Eichhörnchen schon aus ihrem Winterschlaf erwacht sind.

Frühling
Hmm, das duftet nach Frühling.

Also Kinder, genießt auch Ihr den Frühling,

bis bald mal,

Eure Sissi